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Förderverein der Archenhold-Sternwarte
und des Zeiss-Großplanetariums Berlin e. V.

Newsletter 11/2024

 
 

Berlin-Treptow, 2.11.2024

Einladung

zur Vorstellung der Nachbauten des Antikythera-Mechanismus

Donnerstag, 14. November 2024, um 18.30 Uhr,
Dauer ca. 90 Minuten,
Archenhold-Sternwarte, Alt-Treptow 1, 12435 Berlin

Wir laden alle Vereinsmitglieder und Freunde zu dieser Veranstaltung ein.

Historischer Fund

Im Jahr 1901 wurde durch Schwammtaucher vor der griechischen Insel Antikythera in 45 Metern Tiefe ein Schiffswrack eines antiken römischen Handelsschiffs entdeckt. Das Schiff hatte zwischen 70 und 60 v. Chr. griechische Schätze in das römische Reich bringen sollen.

Neben gut erhaltenen Bronzestatuen wurde auch ein Bronzeklumpen von etwa 30 Zentimetern Größe geborgen. Zunächst wenig beachtet, stellte sich schließlich heraus, dass es sich dabei um das älteste analoge Rechengerät handelt, das jemals entdeckt wurde – der Antikythera-Mechanismus.

Wissenschaftliche Untersuchungen

Der Apparat wird auf den Zeitraum zwischen 205 und 87 v. Chr. datiert. Seit den 1950er Jahren wurden die Fragmente des Fundes mithilfe von Röntgen-Aufnahmen, optischen Verfahren und Computertomografie aufwendig untersucht und vermessen. Die Aufnahmen zeigen unter anderem 31 filigrane Zahnräder mit Durchmessern zwischen vier und dreizehn Zentimetern. Die Aufnahmen ermöglichten über die Jahrzehnte die Erforschung eines Apparates, dessen Ingenieurskunst bis heute einzigartig ist für die Antike.

Zunächst konnte durch den Historiker Derek de Solla Price für die Vorderseite ein Doppelring mit Tierkreis- und Datumsskala und auf der Rückseite des Apparates die Darstellung des Meton-Zyklus nachgewiesen werden – ein in der Antike bekannter Zusammenhang der Mondphase zum Sonnenjahr, mit einer Periode von circa 19 Jahren. Zusätzlich wurden bereits Anordnungen der Zahnräder als Planetengetriebe erkannt - bis dahin war diese Bauform aus der Antike nicht bekannt.

Nachbau des Antikythera-Mechanismus, Foto: Bastian Peetz

Nachbau des Antikythera-Mechanismus
Foto: Bastian Peetz

Später wurde durch Michael Wright die Anwesenheit von Kurbelschleifen im Apparat nachgewiesen, welche die Nachbildung der zeitweilig scheinbar rückläufigen Bewegungen von Himmelskörpern erlauben würde. Außerdem fanden sich Hinweise auf die Darstellung des Mondes und seiner Phasen auf der Vorderseite.

Nach der Jahrtausendwende ergab die Forschung des Antikythera Mechanism Research Project um Tony Freeth, dass sich auf der Rückseite eine weitere Anzeige zur Vorhersage der kulturell wichtigen griechischen Wettkampfspiele, wie der olympischen Spiele, befand. Aufsehenerregende jüngste Forschungsergebnisse der Forschungsgruppe zeigen, dass die Vorderseite neben dem Mond auch die Himmelskörper Merkur, Venus, Sonne, Mars, Jupiter und Saturn in ihrer scheinbaren Position um die Erde im geozentrischen Weltbild zeigte.

Bereits Derek de Solla Price entwickelte Nachbauten auf Basis der partiellen Kenntnisse zur Funktionsweise des Apparats.

Eine Rekonstruktion nach Price befindet sich im Archäologischen Nationalmuseum in Athen. Weitere aktuellere Nachbauten befindet sich in Museen in Deutschland und Frankreich. Die jüngsten Erkenntnisse der Forschungsgruppe um Tony Freeth wurden von dieser Gruppe bisher lediglich in ein virtuelles Modell des Apparates übertragen. Begeistert durch die neuen Erkenntnisse haben einige interessierte Gruppen Nachbauten angefertigt.

Derek de Solla Price, Quelle: Wikipedia

Derek de Solla Price
Quelle: Wikipedia

Der hier nun vorgestellte Nachbau gibt die neuesten Erkenntnisse der Forschungsgruppe um Tony Freeth detailgetreu wieder und wurde fast ausschließlich durch einen kompakten 3D-Drucker aus PLA-Kunststoff gefertigt.

Er zeigt die Vorderseite des Mechanismus mit der Position aller, in der Antike bekannten, Himmelskörper. Im geozentrischen Modell des Sonnensystems bewegen sich einige Himmelskörper zeitweise scheinbar entgegen der üblichen Bewegungsrichtung. Diese retrograden Bewegungen können in der Anzeige des Nachbaus beobachtet werden. Zusätzlich lässt sich die Vorhersage möglicher Sonnen- und Mondfinsternisse sowie die Position im Sonnenjahr beobachten.

Felix Heitmann